Wanjira Mathai – Umweltschutz- und Frauenrechtsaktivistin

Während sie in Europa noch weitgehend unbekannt ist, erfreut sich Wanjira Mathai in ihrer Heimat Kenia seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Das liegt sicherlich auch daran, dass sie in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten ist, die vor elf Jahren mit einem Schlag weltberühmt wurde und daher auch dem ein oder anderen in unseren Breiten ein Begriff sein dürfte: Wangari Maathai, Biologin, Aktivistin und charismatische Begründerin der panafrikanischen Graswurzelbewegung Green Belt Movement. Sie erhielt 2004 für ihr jahrzehntelanges Engagement für Umweltschutz und Menschenrechte den Friedensnobelpreis – als erste Afrikanerin überhaupt.

Wanjira Mathai erinnerte sich unlängst in einem Interview an das, was ihre Mutter ihr zu sagen pflegte: „Sie wollte, dass wir verstehen, dass dies ihr Weg war und dass dieser Weg überhaupt nichts Besonders sei. Sie tue lediglich das, von dem sie glaube, dass es das Richtige sei (…). Und jeder von uns Kindern solle für sich entscheiden, was er mit seinem Leben anfangen wolle.“

Wanjira Mathai - Vorsitzende Green Belt Movement

Wanjira Mathai (Vorsitzende Green Belt Movement Kenia) auf einer Konferenz der Heinrich Böll Stiftung 2014

Sollte es Wangari Maathais Absicht gewesen sein, Wanjira und ihre beiden Geschwister davon abzuhalten, ihr auf ihrem gefährlichen Weg zu folgen, so war sie nicht erfolgreich: Zwar ging Wanjira in die Vereinigten Staaten, um dort Public Health and Business zu studieren, kehrte jedoch nach Kenia zurück, um an der Seite ihrer Mutter beim Green Belt Movement zu arbeiten und sich an Afrikas größtem Wiederaufforstungsprojekt zu beteiligen. Ab 2002 betreute sie die Abteilung für Internationale Angelegenheiten und koordinierte unter anderem die Spendenbeschaffung der Umweltschutzorganisation. Als Wangari Maathai im September 2011 an den Folgen einer Krebserkrankung starb, übernahm Wanjira den Vorstandsvorsitz des Green Belt Movement. Freilich tut man der eloquenten 44-Jährigen Unrecht mit der Annahme, sie würde lediglich das Erbe ihrer prominenten Mutter verwalten. So ergänzte sie die sehr erfolgreiche Wiederaufforstungsarbeit, in deren Rahmen allein in Kenia rund 51 Millionen Bäume gepflanzt wurden, um eine Kampagne für sichere Kochstellen und erneuerbare Energien. Auf diese Weise wollen die Aktivisten den enormen Verbrauch von Holzkohle und Feuerholz reduzieren, das nach wie vor in 80 Prozent aller kenianischen Haushalte zum Kochen verwendet wird.

Allerdings geht es Wanjira Mathai und ihren Mitstreitern nicht allein um den Umweltschutz. Stattdessen hat sich das Green Belt Movement von Beginn an einem ganzheitlichen Ansatz verschrieben: So betreibt die Organisation nicht nur zahlreiche Baumschulen und Gärten, sondern klärt die Menschen auch über die wirtschaftlichen Folgen von illegalen Rodungen und Bodenerosion auf. Informationen über den Klimawandel, Menschen- und besonders Frauenrechte gibt es auf diesen Veranstaltungen ebenfalls. Denn im subsaharischen Afrika können gerade Frauen in ihrer Rolle als Haushaltsvorstände und Kleinbauern viel für den Schutz der natürlichen Ressourcen tun. Genau hier kommt die politische Dimension von Wanjira Mathais Arbeit ins Spiel. Denn durch die Beteiligung an Baumpflanz-Aktionen sollen Frauen wie Männer ermutigt werden, nicht nur für den Umweltschutz, sondern auch für Menschen- und Bürgerrechte einzutreten.

Logo Green Belt Movement

Logo – The Green Belt Movement

Wanjira Mathai, die verheiratet ist und mehrere Kinder hat, ist also auf dem besten Wege, eine international anerkannte Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin zu werden, die nicht mehr nur über ihren berühmten Nachnamen wahrgenommen wird. Und selbst wenn es der Kenianerin mit den raspelkurzen Haaren nicht gelingen sollte, sich vollständig aus dem Schatten ihrer charismatischen Mutter zu lösen, macht sie deren Motto bereits jetzt alle Ehre. Es lautet schlicht: „I will do the best I can.”

Der Beitrag erschien auch in WeltTrends Nr. 105 – Gespaltene Ukraine“.
Die Autorin Angela Unkrüer ist Redakteurin der Fachzeitschrift WeltTrends.

Bildnachweis
Bild 1: Wanjira Mathai (Vorsitzende Green Belt Movement Kenia) – Regional Workshop for East African Energy Stakeholders organisiert durch die Heinrich Böll Stiftung 11.Februar 2014 – Urheber: Heinrich Böll Stiftung Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-NC-SA 3.0)
Bild 2: Copyright The Green Belt Movement international.

Ein Gedanke zu „Wanjira Mathai – Umweltschutz- und Frauenrechtsaktivistin

  1. badspiegel

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

    Antworten

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