Militarisierung Naher Osten

von Kai Kleinwächter

Der arabische Raum ist im Umbruch. Bürgerkrieg, Interventionen und wirtschaftlicher Niedergang kennzeichnen die Region. Diese Entwicklung ist auch Folge der seit den 1980er Jahren zunehmenden Militarisierung dieses Raumes. Auf die Region „Naher Osten“ entfallen über 8 Prozent der weltweiten Militärausgaben gegenüber 4,7 Prozent der Weltbevölkerung. Während die EU und Lateinamerika ihre Rüstungsausgaben senkten, steigen sie im Nahen Osten seit Mitte der 1990er Jahre deutlich an.

Militarisierung Naher Osten
Die Region am östlichen Mittelmeerraum ist hochgradig militarisiert. Israel „führt“ seit zwei Jahrzehnten den „Global Militarization Index“ fast ununterbrochen an. Dahinter finden sich Staaten wie Syrien oder Jordanien. Gleichzeitig nehmen die reichen Ölstaaten und Israel Spitzenplätze bei den Militärausgaben ein. Werden Nachbarn wie Armenien oder Griechenland mit einbezogen liegen sieben der zehn am stärksten militarisierten Staaten der Welt im Nahen Osten.

Militarisierung Naher Osten - Militärausgaben zum BIP, pro Einwohner Globaler Militarisierungsindex GMI
Im Vergleich mit Deutschland wird die umfassende Militarisierung überdeutlich. Die Staaten des Nahen Ostens haben einen überproportional hohen Anteil Militärausgaben am Staatshaushalt. Mehr als 13 Prozent werden für militärische Zwecke verschwendet (Deutschland knapp drei Prozent). Pro Einwohner geben sie das Doppelte für militärische Zwecke aus.

Militärausgaben in Prozent Staatshaushalt Ausgaben pro Einwohner Naher Osten Deutschland
Auf Grund der zugespitzten Konflikt- und Kriegslage, einer unterentwickelten Rüstungsindustrie aber hoher Erdöl-/Erdgas-Einnahmen importiert der Nahe Osten weltweit die meisten Rüstungsgüter. Der Rückgang des Importanteils am Waffenhandel von über 30 auf heute knapp 20 Prozent täuscht. Waffenlieferungen an und durch irreguläre Strukturen wie ISIS oder die syrischen Aufständischen gehen genauso wenig in die Statistik ein, wie die militärische Unterstützung Israels durch die USA.

Waffenimporte Naher Osten

Der Verfall des Ölpreises seit Herbst 2014 hat auch massive Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung der nur scheinbar stabilen Ölmonarchien der arabischen Halbinsel. Insbesondere für Saudi-Arabien ist es fraglich, ob der Staat bei anhaltender Niedrigpreise, seine Rüstungsausgaben beibehalten kann.

Quellen

Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)
SIPRI – International Arms Transfer Database
SIPRI – Military Expenditure Database
Bonn International Center for ConverionGlobal Militarization Index

Die Metaanalyse erschien auch in WeltTrends Nr. 101 „Der Kurdische Knoten“.

Kunstwerk des Eintrages

Eugène Ferdinand Victor Delacroix (1798-1863)Sitzender Araber in Tanger
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Delacroix Sitzender Araber in Tanger

Delacroix’s most influential work came in 1830 with the painting Liberty Leading the People , which for choice of subject and technique highlights the differences between the romantic approach and the neoclassical style. […]

In 1832, Delacroix traveled to Spain and North Africa, as part of a diplomatic mission to Morocco shortly after the French conquered Algeria. He went not primarily to study art, but to escape from the civilization of Paris, in hopes of seeing a more primitive culture. He eventually produced over 100 paintings and drawings of scenes from or based on the life of the people of North Africa, and added a new and personal chapter to the interest in Orientalism. Delacroix was entranced by the people and the costumes, and the trip would inform the subject matter of a great many of his future paintings. He believed that the North Africans, in their attire and their attitudes, provided a visual equivalent to the people of Classical Rome and Greece.
Quelle: www.eugenedelacroix.org Text Creative Commons License BY-NC-ND 3.0.

Ein Gedanke zu „Militarisierung Naher Osten

  1. Steh zu deiner Meinung

    Es ist erstaunlich was die Darstellung der Zahlen in Form von Diagrammen klar macht!
    Es ist jedoch kein Wunder, denn es herrscht immernoch Krieg.
    Nur gut, dass Herr Gabriel erst mal ein Zeichen gesetzt hat und versucht das Ganze zu bremsen.

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