Archiv der Kategorie: Call for Papers

Call for Papers: Transitional Justice

Transitional Justice steht für Versuche, massive Menschenrechtsverletzungen und Gewalttaten aufzuarbeiten, um den Übergang zu einer nachhaltig friedlichen, meist demokratischen Gesellschaftsordnung zu ermöglichen. Das Besondere daran ist, dass die Phase der transition eng mit dem Streben nach Gerechtigkeit, justice, verknüpft, wobei letztere nicht nur im strafrechtlichen Sinn zu verstehen ist.

Transitional Justice beruht auf der Annahme, dass der Übergang zu Frieden und Sicherheit nach gewaltsamen Konflikten oder Diktaturen der Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen bedarf. Nur ein klarer Bruch mit vergangenem Unrecht – so die Annahme – ermöglicht, zukünftige Verbrechen vorzubeugen, Vertrauen in eine neue Regierung- und Staatsform zu generieren und zur Aussöhnung zwischen den Konfliktparteien beizutragen. Ein entscheidendes Merkmal von Transitional Justice ist, dass sie über eine Vielzahl von nstrumenten verfügt, die entsprechend den Erfordernissen und Kontexten einer Nachkriegsgesellschaft kombiniert werden können. Ausschlaggebend für die Auswahl ist nicht nur die Art und Weise der Kriegsbeendigung, sondern auch das Ausmaß der Straftaten, die Dynamik der Gewalt, die Stabilität des Landes, die Ressourcen der Gesellschaft und die politischen Kräfteverhältnisse zum Zeitpunkt der Transition.

Aufgrund seiner Neuartigkeit hat Transitional Justice in den letzen Jahren zu einem wahren Boom an praktischen Aktivitäten und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen geführt. Vor diesem Hintergrund möchten wir vor allem den normativen Gehalt des Konzepts differenziert betrachten. Ziel der Konferenz ist demnach die kritische Auseinandersetzung mit Transitional Justice Prozessen, insbesondere der Globalisierung eines westlich-geprägten Konstrukts von Gerechtigkeit in Verbindung mit Friedenskonsolidierung in Nachkriegsgesellschaften, sowie den lokalen Besonderheiten nicht-westlicher Länder.

Wir fragen unter anderem:

Welche/wessen Gerechtigkeit für wen? Wohin soll die Transition führen? Erfüllt das globale Konzept von Transitional Justice lokale Bedürfnisse? Welche Diskurse bestimmen die Schaffung von Transitional Justice Mechanismen in bestimmten Kontexten? Welche Auswirkungen hat Transitional Justice auf Gender-Beziehungen? Ist es notwendig und sinnvoll, das Konzept Transitional Justice von zivilen und bürgerlichen auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte auszudehnen?

Da ein Ziel der Konferenz die Erweiterung des oftmals auf institutionelle und legalistische Aspekte beschränkten Verständnisses von Transitional Justice um Gesichtspunkte des sozialen Wandels und der Repräsentation ist, laden wir proposals ein, die sich kritisch mit dem normativen Gehalt und der gesellschaftlichen Wirkung von Tribunalen, Wahrheitskommissionen, Gedenkstätten und Museen, Entschuldigung und Vergebung, Wiedergutmachung, Versöhnung, Geschichtsschreibung und traditionelle Gerechtigkeit beschäftigen.

Das Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg lädt interessierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ein, ein Abstract zu diesen Themenbereichen einzureichen. Die Zentrumstage werden vom 24.-25- März 2010 in Marburg stattfinden. Vorträge für die Sektionen werden nach Einsicht der Abstracts (500 Wörter) vergeben, die beim Zentrum für Konfliktforschung bis zum 31.12.2009 eingesandt werden können (transitional-justice@staff.uni-marburg.de).

Prof. Susanne Buckley-Zistel
Zentrum für Konfliktforschung
Philipps-Universität Marburg
Ketzerbach 11
32035 Marburg

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WO: Marburg
URL: http://www.uni-marburg.de/konfliktforschung
BEWERBUNGSFRIST BIS: 31/12/2009

Datenspuren 2009 – Call for Papers

Wir schreiben das Jahr 2009. Nach Lidl kommen weitere deutsche Großunternehmen durch Überwachungsskandale in die Schlagzeilen. Hinzu kommen Maßnahmen der Bundesregierung zur Überwachung der Bürger – Gesundheitskarte, elektronischer Personalausweis, Vorratsdatenspeicherung. Und die Liste wird mit jeder Legislaturperiode länger, zu lang wie wir finden. Deshalb ruft der Chaos Computer Club Dresden zum 6. Mal in Folge zur Beteiligung an den Datenspuren auf.

Die Zielgruppe der Datenspuren setzt sich zusammen aus interessierten Bürgern und Datenaktivisten. Es soll der Grundstein gelegt werden für einen aktiven Selbstschutz in Zeiten wegerodierender Grundrechte.

Neben den technischen Hintergründen und Abwehrmaßnahmen ist es das Ziel, die Risiken und Nebenwirkungen von Überwachung für die Gesellschaft und das Leben eines einzelnen aufzuzeigen. Zudem dienen die Datenspuren als Plattform zum Gedankenaustausch und Diskurs.

Wir wünschen uns Vorträge unter anderen zu den unten aufgeführten Themenschwerpunkten. Des Weiteren suchen wir Referenten für Workshops zur praktischen Wissensvermittlung. Neben der Vermittlung von Grundlagen freuen wir uns besonders über diskursfördernde Community- Events. Wenn Ihr ein Projekt plant oder durchgeführt habt, bieten wir euch die Möglichkeit, dieses auf den Datenspuren zu präsentieren.

Themenschwerpunkte und Vorschläge:

* Datenspuren im täglichen Leben
* Missbrauch von Daten
* Rechtslage
* Sicherheit und Prävention
* Digital Resistance
* Hacking
* Technikfolgenabschätzung
* Informationsfreiheit
* Aufklärung und Diskurs

Wann? – 3./4. Oktober 2009

Wo? – Kulturzentrum Scheune, Dresden-Neustadt

Einreichungen bitte ab sofort unter

Weitere Informationen

Mobilization and Protest Communication on the Social Web

5th ECPR General Conference in Potsdam, 10-12 September 2009

Section: Protest Politics
Panel: Mobilization and Protest Communication on the Social Web

Panel Organizers: Prof. Dr. Sigrid Baringhorst, Dr. habil. Heike Walk, Dr. Markus Rohde

Social web applications (Wikis, Blogs, Facebook, Youtube, Twitter, Orkut, etc.) aim to support end users‘ content production and to allow for social networking of internet users. Since these new technologies (often also referred to as „Web2.0“) enhance users‘ possibilities to direct and active participation in collaborative web content creation, they are looked upon as promising means for democratization while also enabling conditions for unprecedented domination and power.

The work of transnational social movement organizations and protest networks is highly dependent on social networking, trust-building and strategic alliances. These NGO networks are addressing political issues which cause global problems and challenges to cope with (e.g., human/women/childrens‘ rights, poverty, ecological and environmental issues like sustainable development, pollution etc., fair trade, international democratization, peace, health and other problems that are mainly interconnected with implications of globalization). Transnational NGOs and civil society organizations have been fairly successful in setting many of these issues on the public agenda by organizing global campaigns and mobilizing for world-wide protest activities. One central success factor of this international engagement was the early adoption and intense use of new media and internet technologies by NGOs since the early 1990th.

Since the new internet technologies, which are summarized by the label „social web“, offer a whole range of new opportunities for social networking, collaborative engagement and the building of social capital among users, it is expected that transnational NGOs and civil society organizations will develop strategies for the appropriation, usage and adaptation of these social web applications for their

purposes. The presented panel aims to analyze these NGO strategies concerning mobilization and campaigning on the social web. Specifically, possibilities and limitations for the democratization of media and formation of independent media networks, which enable new forms of collective action. It addresses researchers investigating in transnational NGO activities and the socio-technical basic conditions for international NGO networking.

The scope of submissions includes (but is not limited to):

* social web appropriation strategies of NGOs

* use of social web tools for mobilization and campaigning

* new forms of transnational NGO collaboration

* requirements analyses and needs assessment of NGOs and civil society activists

* development of social web applications for NGOs

* evaluation studies and case studies

* quantitative and qualitative analyses

* empirical research methods for social web technology usage

* social web applications for open source/open access movement engagement

* the deliberative quality of protest communication on social networking sites on the web

* protest communication on commercial formats of social networking sites

* The social web – a technical opportunity structure for the emergence of a global civil society?

A proposal of 300 words is due by 1 February 2009.

further informations

CfP: ECPR Panel on the Salience of Foreign and Security Policy

Call for Papers

ECPR General Conference, Potsdam
10-12 September 2009

Auf der nächsten ECPR General Conference organisieren wir ein Panel zur innerstaatlichen ‚Salienz von Außen- und Sicherheitspolitik’ in der öffentlichen Meinung, den Massenmedien, in politischen Parteien und unter Parlamentsmitgliedern. Mögliche empirische Schwerpunkte sind dabei die Salienz außenpolitischer Themen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA.

Inhalte des Panels

Für dieses Panel bitten wir um Vorschläge für Manuskripte, die sich insbesondere folgenden Themen widmen:

– theoretical perspectives on the domestic salience of foreign affairs,

– methodological approaches to measuring domestic issue salience,

– empirical analyses on the salience of foreign and security policy (incl. European policy) to national publics or the media either in single countries or in a comparative perspective,

– empirical analyses on the salience of foreign and security policy (incl. European policy) to political parties or members of national parliaments either in single countries or in a comparative perspective.

Abstracts of the proposed papers should contain a maximum of 300 words. The proposals should be submitted via the ECPR’s online paper submission form: http://www.ecpr.org.uk/potsdam/panel_details.asp?panelID=241. The deadline for paper proposals is 1 February 2009. If accepted, papers must be uploaded until 15 August 2009.

Should you have any further questions on the panel or on your paper proposal, please don’t hesitate to get in touch with us:

kai.oppermann@uni-koeln.de

henrike.viehrig@uni-koeln.de

War and the Public Sphere

A Symposium of the Austrian Academy of Sciences and the University of Klagenfurt
5-7 March 2009
Vienna, Austria

The Austrian Academy of Sciences and the University of Klagenfurt are currently making arrangements for a symposium on “War and the Public Sphere”, which is to take place in Vienna from 5 to 7 March 2009. The symposium intends to bring together internationally renowned experts from the fields of media and communication studies, politics and history. Special emphasis will be paid to comparative research across time and space.

Imanuel Geiss, Professor Emeritus of Modern History, University of Bremen, will serve as introductory speaker. Among the keynote speakers confirmed to date will be:

Robert M. Entman, Shapiro Professor of Media and Public and International Affairs at the George Washington University, Washington, DC

Daniel C. Hallin, Professor of Communication at the University of California, San Diego

Brigitte L. Nacos, Adjunct Professor of Political Science at Columbia University, New York

Philip Seib, Professor of Journalism and Public Diplomacy at the Annenberg School of Communication at the University of Southern California, Los Angeles

Undoubtedly, the playing out of war in the public sphere is one of the most significant developments of modern warfare. The inclusion of civilians, not only as “manpower” and an increasingly vulnerable target of hostile actions but also for legitimating war in face of its tremendous economic and social consequences, requires the mobilization of society as a whole. Consequently, the “total war”, so dramatically experienced for the first time in World War I, brought along with it massive changes in the social organization of warfare, including the role of the media and public opinion.

The changing relationship between state and civil society aims, at least superficially, at cooperation rather than suppression (as it used to be) with state functions often taken on by intermediary institutions, such as the media. Although this understanding of the relationship between the state, the media and society prevails nowadays in times of so-called “limited wars”, it is only in recent years, as Daniel C. Hallin has put it, that research in the field of media and communication studies has begun to address “the impact of war and wartime communication in the relation of state and civil society, the structure of the public sphere, or political culture and social ideology”.

Considering these questions, the Vienna Symposium focuses on the pictures of war in our heads (to vary Walter Lippmann’s famous phrase), how they are shaped and how they are shaping culture, society, and politics. In particular, papers are welcomed which emphasize a comparative perspective to allow for different historical circumstances. Among the topics we wish to address are, for example:

– a communication perspective on the culture of war as a form of individual and national self expression (e.g. in terms of solidarity, heroism or masculinity)
– the role of the media in the social construction of “self” and the “other” and its possible impact on policy making in times of crisis
– the modes of how war is accessible to the public and the techniques of how war is made accessible to the public (which depend partly on the changing role of war correspondents from observers to participants)
– the ethics of war (as expressed in theories of “just war”, “self-defence”, “deterrence”, and “pre-emptive war”) and its implications for public representations of war which are often assumed to be moving from the “sphere of consensus” to the “sphere of legitimate controversy”
– the ways how people give meaning to war and war news by integrating them into larger structures of cultural patterns
– and, last but not least, how mediated war images and narratives affect the routines of people’s lives as well as their attitudes, thus building collective memories and constraining policy options.
The papers may feature empirical as well as methodological, theoretical, and critical studies. Extended versions of selected papers will be published in a proceedings volume edited by the Organizing Committee of the symposium.

* * *

Submission of proposals opens on November 10, 2008. To submit your proposal, visit the conference submission website where you will be able to submit your proposal electronically. The deadline for submissions of proposals is December 10, 2008. To submit a paper, please firstly create an account (your e-mail address is your user name). Then log-in with your user name and submit the title of your presentation. After submitting the title of your presentation, please upload an anonymous abstract of no more than 500 words as a PDF file. You can also add additional authors. The submissions should not previously have been published, nor should be under consideration for publication. All submissions are subject to blind peer-review. You will be notified of the decision of the Organizing Committee at the latest by January 15, 2009. Please note that all presenters will need to register and pay for conference attendance. The conference fee amounts to 400 Euro covering participation, accommodation (from 5 to 8 March 2009), an opening reception on Thursday evening (5 March), lunch, and a conference dinner on Friday evening (6 March). The conference will close at noon on Saturday, March 7. Organizing Committee: Matthias Karmasin, Professor of Media and Communication Studies at the University of Klagenfurt Gabriele Melischek and Josef Seethaler, Senior Researchers at the Commission for Comparative Media and Communication Studies, Austrian Academy of Sciences

Contact: josef.seethaler@oeaw.ac.at

Zwischen Medienallmacht und -ohnmacht. Rezeption und Wirkung politischer Medienangebote

Tagung der Fachgruppe

„Rezeptions- und Wirkungsforschung“ in der DGPuK
22. bis 24. Januar 2009 in Zürich

Seit den frühesten empirischen Studien zur Wirkung der massenmedialen Berichterstattung auf politische Einstellungen wird die Frage nach der Bedeutsamkeit der Medien in der Gesellschaft gestellt. Die Vorstellungen reichten dabei von „hypodermic needle“ bis hin zum „getarnten Elefanten“. Dabei war von Beginn an das Feld der politischen Medienwirkungsforschung von zentraler Bedeutung. Die Forschungsansätze, um die Wirkungen politischer Medienangebote auf das Publikum zu untersuchen, waren bereits Mitte des 20. Jahrhunderts sehr unterschiedlich und reichten von der theoretischen Auseinandersetzung und Reflexion, über Experimente bis hin zu Befragungen im Feld. Sie bilden jedoch bis heute das Rüstzeug jeder empirischen Beschäftigung mit dem Thema Rezeption und Wirkung (massen-)medial vermittelter Politik. Herrschten zu Beginn der Medienwirkungsforschung noch die Vorstellungen von starken Medienwirkungen auf politische Einstellungen aus, kehrte später mit der Annahme selektiver Mediennutzung und dem Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation Ernüchterung über die eher „minimal effects“ der Politikberichterstattung ein.

Seit den 70er und 80er Jahren, insbesondere mit der Verbreitung des Fernsehens und inspiriert durch Befunde der kognitiven Psychologie, schlich sich langsam wieder die Idee starker Medienwirkungen in die Kommunikationswissenschaft ein. Bis dato liegt eine Vielzahl von Befunden vor, die unterschiedliche Wirkungen politischer Angebote beim Publikum nachweisen. Diese reichen von kognitiven Wirkungen (z.B.First und Second-level Agenda Setting, kognitives Priming oder Framing), über affektive Wirkungen (z.B. affektives Priming, Erregungseinfluss politischer Angebote etc.) bis hin zu Verhaltenswirkungen (z.B. Mobilisierung bzw. Demobilisierung von Wählerinnen und Wählern). Ob man dabei von starken oder schwachen Wirkungen politischer Medienangebote beim Publikum ausgeht, hängt oft davon ab, welche abhängigen Variablen betrachtet werden oder welcher methodische Zugang gewählt wird. Die Studien, die sich mit der Wirkung massenmedialer Angebote beim Publikum beschäftigen, sind mittlerweile nahezu unüberschaubar geworden, so dass eine Bestandsaufnahme sowie eine Orientierung für die Zukunft im Rahmen einer Fachtagung angemessen erscheinen.

Diese Bestandsaufnahme und der Ausblick auf die zukünftige Forschung lassen sich grob in fünf Themenfelder aufteilen, die Gegenstand der Vorträge sein sollen. Diese Themenfelder sind sehr breit zu verstehen und die Beispielfragestellungen dienen lediglich zur Orientierung und sollten nicht bereits als thematische Festlegung betrachtet werden:

I. Welche (massen-)medialen Politikangebote haben politische relevante Wirkungen beim Publikum?
Dieses Themenfeld zielt auf eine theoretische bzw. empirische Auseinandersetzung mit der Frage, unter welchen Medienangebotsbedingungen (z.B. konsonante vs. dissonante Massenmedienberichterstattung) bestimmte massenmediale Politikangebote (z.B. im Fernsehen, in Printmedien oder im Internet) einen politisch relevanten Einfluss beim Publikum hinterlassen. Beispielfragen:
• Welchen Einfluss haben unterschiedliche (massen-)mediale Politikangebote
auf Wissen, Einstellungen oder Verhalten beim Publikum?
• Wie wirken sich nicht-politische, unterhaltungsangereicherte oder
„infotainisierte“ Medienangebote beim Publikum aus?
• Welchen Einfluss hat die Nutzung neuer Medienangebote, z.B. Weblogs für politisches Wissen, politische Einstellungen oder Wissen über Politik beim Publikum?

II. Worin genau bestehen Wirkungen medialer Politikangebote auf das Publikum?
Dabei geht es insbesondere um die Frage der abhängigen Variablen bzw. deren Operationalisierung in der bisherigen Forschung. Wenn mediale Politikangebote Wirkungen beim Publikum entfalten, stellt sich die Frage, was bei Rezipienten genau beeinflusst wird. Beispielfragestellungen:
• Welchen Effekt hat die mediale Berichterstattung auf Kognitionen (z.B. Wissen, Lernen) im Unterschied zu Affekten (z.B. Emotionen, Stimmungen),
Einstellungen (z.B. Präferenzen) oder Verhalten (z.B. Abstimmungs- oder Wahlentscheidungen) und auf welche Art lassen sich diese nachweisen?
• Welche Merkmale der medialen Politikberichterstattung führen dabei zu welchen spezifischen Effekten beim Publikum?
• Welche langfristigen Effekte im Unterschied zu kurzfristigen Wirkungen lassen sich nachweisen, z.B. auf Partizipation oder Einstellungen zum politischen
System?

III. Über welche Prozesse wirken sich mediale Politikangebote beim Publikum aus?
Medienwirkungen sind selten homogen, sondern an Randbedingungen gebunden, die die Situation oder die Person (z.B. Fähigkeit, Motivation oder Persönlichkeit) betreffen. Gleichzeitig ist es relevant, die Rezeptionsprozesse zu kennen, die Medienwirkungen unterliegen. Beispielfragestellungen:

• Welche spezifischen Prozesse liegen der politischen Medienwirkung zugrunde und wie lassen sich diese in der Forschung modellieren?
• Welche Moderatoren oder Mediatoren sind im Prozess der Wirkung medialer Politikangebote besonders bedeutsam?
• Welche Rolle spielen spezifische Prozesse der Verarbeitung von Medieninformationen für den Einfluss der Politikberichterstattung auf das Publikum?

IV. Reviews und Meta-Analysen zur Wirkung (massen-)medialer politischer Angebote beim Publikum
Im Zentrum dieses Themenfeldes stehen zusammenfassende oder meta-analytische Arbeiten, die den bisherigen Forschungstand zu politischen Medienwirkungen systematisieren, aufarbeiten und Orientierung für die zukünftige Forschung geben können. Dabei spielt auch eine Rolle, welche normativen Ansprüche an das Publikum als Kollektiv politischer Bürger gestellt werden. Folgende Fragestellungen sind hier denkbar:
• Welchen Erklärungsanteil liefern die Medien (etwa auch im Vergleich zu interpersoneller Kommunikation) für welche Effekte beim Publikum?
• Welche theoretischen oder empirischen Zugänge herrschen in der bisherigen Forschung vor und wie vielversprechend sind diese für die Zukunft?
• Welche Rolle sollte Rezipientinnen und Rezipienten in Demokratien zukommen? Gibt es subjektive Rezipientennormen, die für Nutzung, Rezeption und Wirkung von politischer Kommunikation relevant sind?

V. Methodischer Zugang zum Nachweis von politischen Medienwirkungen Seit den ersten Studien zur Rezeption und Wirkung politischer Medienberichterstattung hat das Forschungsfeld auch in methodischer Hinsicht enorme Fortschritte gemacht. Diese methodischen Fortschritte bei der Erforschung von Rezeption und Wirkung politischer Angebote sollen daher in einem eigenständigen Themenkreis behandelt werden, z.B. anhand folgender Fragestellungen:
• Wie lässt sich der Nachweis der Medienwirkung im Feld vs. experimentell erbringen (z.B. implizite Einstellungsmessung, RTR-Messung, Reaktionszeitmessungen)? In wie fern sind experimentelle und Befunde aus Befragungsstudien vereinbar?
• Gibt es Hierarchien von Effekten der politischen Massenmedienberichterstattung auf das Publikum, und wie lassen sich diese Hierarchien methodisch nachweisen?
• Welche Aussagen kann man über die Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen politischer Mediennutzung und Effekt machen (z.B. Linearität bzw. Nonlinearität)?
Zu allen angesprochenen Bereichen sind sowohl theoretisch orientierte Beiträge als auch empirische Studien (quantitativ genauso wie qualitativ) erwünscht, die ein Thema oder mehrere der genannten Themen behandeln. Interessant sind auch Beiträge, die sich auf Basis der bisherigen Forschung mit der Zukunft des Forschungsfeldes beschäftigen.

Formalia

Vortragsvorschläge (je 20 Minuten) sind als „extended abstract“ (maximal drei Seiten, plus ggf. Anhang mit Tabellen und Abbildungen) bis zum 15. September 2008 in elektronischer Form (*.doc oder *.rtf, nicht *.pdf) als E-Mail-Attachment einzureichen bei Carsten Wünsch (cwuensch@uni-leipzig.de). Das Ergebnis des Reviews wird bis zum 31. Oktober 2008 vorliegen.

Der Beitrag darf in dieser Form nicht bereits in einer Publikation veröffentlicht oder auf einer wissenschaftlichen deutschsprachigen Tagung präsentiert worden sein. Dieser Sachverhalt ist auf dem Deckblatt ausdrücklich zu erklären. Allerdings sind durchaus Beiträge möglich, die einen Aspekt aus einer bereits publizierten oder präsentierten Studie herausgreifen, wenn dieser Aspekt nicht Hauptgegenstand der Publikation oder Präsentation war. Alle Vorschläge sollen von den Autorinnen einem der fünf Unterthemen der Tagung (siehe oben) zugeordnet werden, um gegebenenfalls ein unterthemenspezifisches Ranking und eine entsprechende Gliederung des Tagungsprogramms zu erlauben.

Die Vorschläge werden in einem anonymisierten Review-Verfahren begutachtet. Deshalb bitten wir, die Abstracts mit einem abnehmbaren Deckblatt, auf welchem der Beitragstitel sowie Name und Kontaktdaten der Einreichenden verzeichnet sind, zu versehen. Die Einreichungen werden nach fünf Kriterien beurteilt: Beitrag zum Tagungsthema, Plausibilität der theoretischen Fundierung, Angemessenheit der Methode (nur bei empirischen Arbeiten), Klarheit und Prägnanz der Darstellung
sowie Beitrag zum Forschungsfeld. Die Tagungsleitung behält sich zudem vor, auch die Gesamtkonzeption der Tagung bei der Auswahl der Beiträge zu berücksichtigen sowie einzelne Kolleginnen und Kollegen mit der Bitte um Beiträge anzusprechen (z.B. Keynotes). Es ist geplant, eine Auswahl der Beiträge zum Tagungsthema zeitnah in einem Konzeptband zu veröffentlichen.

Die Tagung wird am Donnerstag, den 22. Januar, abends mit einem Get-Together beginnen und am Samstag, den 24. Januar, gegen Mittag enden. Genauere Angaben zum Veranstaltungsort, Unterkünften etc. werden rechtzeitig in einer Einladung zur Tagung bekannt gegeben.

Berliner Nachwuchstagung Protest

*Orientierung in einem wilden Komplex*

Konzepte und Methoden in der Forschung über Protest und Soziale Bewegungen
Interdisziplinäre Nachwuchstagung

15. November 2008, Technische Universität Berlin

Als wilden Komplex mit anarchischer Struktur hat Jürgen Habermas jene gesellschaftliche Sphäre charakterisiert, die die Systeme von Geld und Macht mittels Protest im Belagerungszustand hält. Dass auch die Konzepte zur Analyse von Protestmobilisierungen ein wilder Komplex sein können, diese Erfahrung machen viele jüngere Forscher, die soziale Bewegungen in den Mittelpunkt ihrer Studienabschlussarbeiten oder Dissertationen stellen. Es braucht ein hohes Orientierungsvermögen, um sich in diesem nur zum Teil kanonisierten interdisziplinären Forschungsfeld zurechtzufinden.

Wichtig ist diese Orientierung vor allem angesichts einer schwachen Institutionalisierung der Forschung zu Protest und sozialen Bewegungen, die dazu führt, dass viele NachwuchswissenschaftlerInnen isoliert an ihren Projekten arbeiten. Die Tagung möchte daher jungen Forschenden die Möglichkeit geben,

– ihre Forschungskonzepte zu präsentieren,
– ihre Forschung durch fachlichen Austausch zu erleichtern,
– Kontakte mit anderen NachwuchsforscherInnen zu knüpfen,
– mit erfahrenen ForscherInnen zu diskutieren,
– sich über Publikationsmöglichkeiten zu informieren.

Die Tagung soll insbesondere die Möglichkeit eröffnen, Chancen wie Gefahren im Forschungsprozess frühzeitig zu erkennen. Die häufig zu hörende Einschätzung einer abnehmenden Protestintensität seit den 1960er Jahren widerspricht z.B. diametral dem Forschungsstand, der auch anhand quantitativer Daten in der Regel das Gegenteil belegt. Grundlagenkenntnis über soziale Bewegungen auch außerhalb der eigenen Forschung kann also von hohem Nutzen sein, um voreilige
Schlussfolgerungen zu vermeiden aber auch um Besonderheiten der eigenen Empirie überhaupt erst ,sehen‘ zu können. In Hinsicht auf die Wahl und Eingrenzung der Untersuchungsgegenstände kann über bisherige Erfahrungswerte und Forschungslücken aufgeklärt werden. Es macht z.B. einen Unterschied, ob ganze Bewegungen, einzelne Protestkampagnen, Szenen/Milieus, Organisationen oder Aktivisten untersucht werden.

Häufig untersuchten Organisationen (Greenpeace, Attac) stehen bislang vernachlässigte Bereiche gegenüber (z.B. aktivistische Biographien in anti-rassistischen Initiativen). Die Wahl der Untersuchungsebenen (lokal, national, transnational), aber auch des zeitlichen und geographischen Reichweite der eigenen Forschung hat unter anderem erheblichen Einfluss auf die Wahl adäquater Theorieangebote. In dieser Hinsicht existiert in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen
eine Reihe von Ansätzen, die von kleinteiliger Erklärung einzelner Protesthandlungen bis hin zur Einordnung von sozialen Bewegungen in Breitwandgemälde gesellschaftlicher Umbrüche reichen. Hier soll die Tagung vor allem die Möglichkeit bieten, die eigenen Begrifflichkeiten und Konzepte passgenau zur jeweiligen theoretischen Positionierung auszuwählen, um zu verhindern, dass theoretische Konstruktionsmängel schon ins Fundament der Arbeit eingeschrieben werden. Schließlich soll die Tagung das häufig zeitlich eng begrenzte wissenschaftliche Arbeiten von jungen Forschern erleichtern, indem eine Methodenberatung angeboten wird. In dieser Hinsicht stehen erfahrene Forscher bereit, die über ihre Erfahrungen mit bestimmten Verfahren wie quantitative wie qualitative Dokumentenanalyse, Interviews, Fragebogenuntersuchungen, teilnehmende Beobachtung, Netzwerkanalyse usw. Auskunft geben können.

Die Tagung richtet sich an Teilnehmer, die erste Entwürfe ihrer Arbeiten (10-seitiges Exposé) vorstellen oder bisher unveröffentlichte Arbeiten präsentieren. Auf der Konferenz sollen statt einzelner Themen, Ereignisse oder Bewegungen konzeptionelle und methodische Probleme diskutiert werden. In dieser Hinsicht bitten wir zunächst um abstracts (max. eine Seite), in denen einzelne Theoreme, Modelle, und Konzepte oder die theoretische Konstruktion der eigenen Arbeit diskutiert werden.

Dabei gibt es keine disziplinären, zeitlichen oder thematischen Beschränkungen. Ein Papier zum Symbolgehalt einzelner Protesthandlungen in der Kaiserzeit ist genauso willkommen wie der aggregierte Vergleich von Bewegungen in mehreren Ländern.

Sendet Eure Vorschläge *bis zum 10. Juni* an: mundo@wzb.eu und teune@gmx.de.

Call for STUDENT Papers – „Deutschland“

Münster, Februar 2008 – Wer, was, wie und warum ist Deutschland, fragt 360° – das studentische Journal für Politik und Gesellschaft in seiner neuen Ausschreibung.

Deutschland! Was hat es nicht schon alles mitgemacht, nicht schon durchlitten und gekrönt, was nicht vernichtet und erschaffen und verraten und geboren, was nicht verstoßen und geliebt: das Land der Deutschen. Das Gerümpel der Jahrhunderte im Nacken, ist sie randvoll, die Black-Box BRD. Mal wurde sie geschüttelt, mal gerührt, mal getreten, frisch lackiert – mitunter sieht man weder rein noch raus.
Genau das will 360°: einen Durch-Blick auf das, was die Box im Innersten zusammenhält.

Bundesweit sind Studierende dazu aufgerufen, wissenschaftliche Beiträge zum Thema „Deutschland!“ einzureichen. So offen die Ausschreibung ist, so konkret dürfen die Beiträge sein. Wie Deutschland zwischen Exzellenzinitiative und Pisa-Studie wieder zur selbstbewussten Kulturnation wird, kann ebenso wie die Frage diskutiert werden, ob es sich in den Debatten um Hartz IV und hohe Managergehälter nur um das Gefühl von Gerechtigkeit dreht.

Sich also analytisch wie theoretisch im Detail und im Einzelfall mit sozialen, politischen und kulturellen Fragen auseinanderzusetzen , die Deutschland und die hier lebenden Menschen betreffen – darum soll es letztlich gehen.

Wir wünschen uns Beiträge aus allen Teildisziplinen der Soziologie, Ethnologie, Pädagogik, Psychologie, Philosophie, Philologien, Geographie, Architektur, Theologie, Rechtswissenschaften,Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften, Anthropologie, Geschichte, Informatik, Kunstwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Sportwissenschaften und anderen Fächern und Fächerkombinationen mit sozialkritischer Perspektive.

Einsendeschluss ist am 1. Juni 2008.

Weitere Informationen den vollen Ausschreibungstext sowie den aktuellen Flyer gibt es unter www.journal360.de!