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Hillarys Hand – Zur politischen Ikonographie der Gegenwart

eine Rezension des Buches von Michael Kaupert und Irene Leser
von Anne Klinnert

Schon auf dem Cover begrüßt uns das Bild, um das es auf den 278 Seiten des Sammelbandes gehen wird: das so genannte Situation Room-Foto vom 1. Mai 2011, das als indirekte Dokumentation der Erschießung Osama bin Ladens gilt. Das Buch bietet dem Leser sowohl soziologische, als auch kunst- und kulturwissenschaftliche Analysen dieses vieldiskutierten Fotos, die schließlich in einer methodischen Reflexion zusammengeführt werden. Unter den Autoren finden sich Koryphäen auf ihrem Gebiet, wie der Kunsthistoriker Prof. Dr. Horst Bredekamp, sowie weitere Professoren, Doktoren und wissenschaftliche Mitarbeiter der Fachbereiche (Kultur-)Soziologie, Kunst- und Bildgeschichte, Kulturwissenschaft, Sozialpsychologie, Design-, Kommunikations- und Medientheorie.

Barack Obama und sein Militärstab betrachten die Exekution Osama-bin-Ladens

Barack Obama und sein Militärstab beobachten die Exekution Osama-bin-Ladens

Rufen wir uns noch einmal die Entstehungsumstände des Fotos in Erinnerung: Das Foto wurde am 01. Mai 2011 vom Hausfotografen des US-amerikanischen Präsidenten, Pete Souza, im Situation Room des Weißen Hauses aufgenommen und am darauffolgenden Tag im „White House‘s Photostream“ auf flickr.com, einem Web-Dienstleistungs- und Tauschportal für digitale Bilder hochgeladen. Laut Bildunterschrift bildet es ab, wie Präsident Barack Obama, Vizepräsident Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton und Mitglieder des nationalen Sicherheitsteams ein Update über die Mission gegen Osama bin Laden erhalten. Dessen Aufenthaltsort in Abottabad in Pakistan war von der CIA ermittelt worden, woraufhin der US-Präsident den Angriff auf das Anwesen durch eine Spezialeinheit der Navy Seals in Auftrag gegeben hatte. Diese töten bin Laden und 4 weitere Personen. Der Leichnam wird mitgenommen und von einem Flugzeugträger aus im Indischen Ozean „nach streng muslimischem Ritus“ bestattet.

Es gibt weder ein Foto von der Tötung bin Ladens noch seines Leichnams. Der historische Beleg dieses Ereignisses ist das Foto aus dem Situation Room, dass von der US-Regierung zu diesem Zweck veröffentlicht wurde. Das Foto hat eine enorm weitreichende und schnelle massenmediale Verbreitung erfahren, was vor allem an der Vieldeutigkeit des Fotos liegt. Dieser wird sich in den Beiträgen des Sammelbandes gewidmet.

Aufgrund des Untersuchungsgegenstandes beginnen fast alle Artikel mit einer Beschreibung des auf dem Foto Abgebildeten. Diese Beschreibungen sind trotz der Wiederholungen interessant und obwohl man meint die Fotografie zu kennen, werden immer neue Details enthüllt. Häufig wird in den Bildbeschreibungen mit dem Anspruch analytischer Trennschärfe zunächst völlig neutral beschrieben, was auf dem Bild zu sehen ist (u.a. Anzahl Männer; Anzahl Frauen; militärisch und causual gekleidet; großer Tisch; auf diesem Laptops und Dokumente; ein Raum, zu klein für die vielen Menschen, die gebannt auf etwas schauen, dass der Betrachter nicht sieht, etc.). In einem zweiten Schritt wird das vorhandene Kontextwissen mit einbezogen, d.h. Namen und Positionen der Anwesenden, Anlass, Verlauf und Ergebnis des Ereignisses usw. (v.a., Beiträge Kauppert, Ayaß, Raab, Diers). Die Bild- und Situationsbeschreibungen werden durch weitere verfügbare Materialen ergänzt, u.a. durch andere Fotos dieser Serie aus dem Situation Room, die ebenfalls über das Internetportal Flickr veröffentlicht wurden, durch Lagepläne des Weißen Hauses mit der verzeichneten Position und Größe des Situation Room, durch zusätzliche Details der Operation Neptune’s Spear alias Geronimo, sowie ein Schema des Anwesens von bin Laden in Abottabad, Pakistan.

Auch wird der Wahrnehmungsprozess beim Betrachten des Bildes nachvollzogen, die formale Bildgestaltung, d.h. Position und Sitzordnung der Anwesenden im Raum sowie ihre Blickführung (Beitrag Brechner).

Mash-up Situation Room

Mash-up Situation Room

Die sich an die Veröffentlichung anschließende Rezeption des Fotos in deutschen, amerikanischen und internationalen Medien sowie die massenmediale Verbreitung von Montagen des Bildes (sogenannten mash-ups) thematisieren mehrere Autoren des Sammelbandes (Beiträge Ayaß, Leser, Breckner, Traue), da mit der Bearbeitung und Verfremdung des Fotos vor allem auf drei Besonderheiten reagiert wird: (1) die Leerstelle des Bildes, (2) die marginalisierte Machtpräsentation Obamas und Clintons und (3) die unausgewogene Geschlechterverteilung. Auf Letzteres – die Tatsache, dass sich unter den mindestens 13 auf dem Foto abgebildeten Personen nur zwei Frauen befinden – wurde u.a. mit einem mash-up reagiert, dass Hillary Clinton (Außenministerin) und Audrey Tomason (Leiterin der Terrorismusabwehr) im Situation Room in einer Runde mächtiger Frauen zeigt, unter ihnen Angela Merkel, Madeleine Albright und Oprah Winfrey.

Ersteres, die Leerstelle des Bildes, ist das zentrale Merkmal, dass diesem Foto vor allen anderen zu seinem „Ikonenstatus“ (S. 101) verholfen hat. Die Frage nach dieser Auslassung drängt sich auf und wird von allen Autoren gestellt: Mit welcher Absicht wird dem Betrachter zwar dieses Foto, nicht aber das gezeigt, was die Abgebildeten sehen können? Auch Oevermann fragt in seinem Beitrag warum die spätere Veröffentlichung, „in der doch im Grunde eine strukturelle Negation der Konstitutionsbedingungen von Öffentlichkeit zu sehen ist“ in Kauf genommen, ja geradezu betont wird (S. 45)? Schließlich gilt: „Zu sehen, dass ein anderer etwas sieht, was man selbst nicht sehen kann, stimuliert den Blick in extremer Weise.“ (Kauppert, S. 24). Ruth Ayaß betitelt ihren gesamten Beitrag so auch treffend mit „Ein Bild der Abwesenheit“ und konstatiert einerseits eine Abwesenheit von Posen, Triumphgebärden und Pathos im Situation Room-Foto, andererseits aber auch die Abwesenheit von Krieg und Toten im Foto. „Die Rolle des Unsichtbaren“ diskutiert auch Roswitha Breckner im vorliegenden Sammelband und attestiert dem Bild einen doppelten Boden. Die Leerstelle des Bildes könne nur rein imaginativ mit dem Wissen um den Kontext – die Ergreifung und Tötung bin Ladens – gefüllt werden; ohne dieses Wissen schwebe das Bild im freien Raum. Horst Bredekamp wiederum stellt fest: „Das erste Motiv liegt in der Vermeidung, dem Medusa-Antlitz des Bildschirms ins Gesicht zu sehen.“ (S. 161)

Das Nachdenken über Sinn und Zweck des Nicht-Abgebildeten in der Situation Room-Fotografie führt direkt zur Frage nach dem Grad an sowie dem Sinn und Zweck der Inszenierung. Denn dass das Foto inszeniert ist, darin sind sich alle Autoren einig. So deutet laut Oevermann zum Beispiel die „nach Selbstinszenierung riechende Gestik der Frau im größten Schärfebereich des Fotos“ (S. 47) – Hillarys dem Sammelband seinen Titel gebende Hand – daraufhin, ebenso wie die für die Betrachtung eines Wandbildschirms kontraproduktive helle Beleuchtung und die Anordnung der Personen. Trotz der Zweifel an der „Echtheit“ des Bildes bleibt doch Eines festzuhalten: „Auf jeden Fall entwickelt diese Fotografie, trotz geschickter Inszenierung, ein Eigenleben, welches nicht gänzlich zu kontrollieren ist.“ (Breckner, S. 96)

Warum also ein Foto veröffentlichen, dass scheinbar mehr im Unklaren lässt als es erklärt, Diskussionen auslöst und in verschiedenster Weise interpretiert werden kann? Warum nicht, wie im Falle Saddam Husseins und seiner Söhne, Fotos von Hinrichtung und Getöteten veröffentlichen (dazu in den Beiträgen Diers, Müller-Helle, Leser)?

Folter in Abu Graib

Folter in Abu-Ghraib – Nicht inzenierte Realität

Eine von mehreren Autoren geteilte Antwort lautet, dass vor allem ein Wandel im „gouvernementalen Bilddiskurs“ nach der Wahl Barack Obamas die Veröffentlichung des Bildes erklärt. Diesen wollte man – mit Bilder des Abu-Ghraib-Folterskandals im Gedächtnis – auf eine „neue technologische, geopolitische, legitimatorische und ästhetische Grundlage“ stellen (Traue, S. 133). Der Vorwurf eines „staatsrechtlich nicht legitimierten Tötungsaktes“ (Breckner) läuft durch die „zweifach indirekte Zeugenschaft“ (Bredekamp), die mit dem Foto erzeugt wird, ins Leere. Oder anders gesagt: „Offenbar geht es darum, die Integrität eines demokratisch legitimierten Repräsentanten einer Weltmacht zu sichern, indem diese staatsrechtlich nicht gedeckte Handlung letztlich durch die damit verbundenen Gesten des Skrupels und der Zurückhaltung zumindest moralisch dennoch als legitim erscheint.“ (Breckner) Das Foto wird damit letztlich als PR- bzw. Propaganda-Foto entlarvt, dass von der Pressestelle des Weißen Hauses kontrolliert, ausgewählt und der Öffentlichkeit gezielt frei zugänglich gemacht wurde und damit unabhängige Pressefotografien verdrängt (Beiträge Traue, Leser). Es ist damit wahrhaft ein bemerkenswertes Beispiel der politischen Ikonographie der Gegenwart, d.h. der künstlerischen Inszenierung politischer Macht und Herrschaft.

Der Sammelband, der entgegen der Ankündigung im Titel nicht nur die Handgeste Hillary Clinton’s in den Fokus rückt, liefert mit seinen zwölf Beiträgen zwölf verschiedene Sichtweisen auf ein und dasselbe Foto. Trotz unvermeidbarer Wiederholungen bietet jeder Artikel eine eigene methodische Herangehensweise und unterschiedliche Argumentationen, um diesem „Lehrstück politischer Inszenierung“ auf den Grund zu gehen. Der Detailreichtum versetzt den Leser schließlich in die Lage, die unterschiedlichen Bedeutungsschichten des Fotos voneinander trennen und verstehen zu können und sich eine eigene Meinung zu bilden, denn wie die FAZ bereits kurz nach Veröffentlichung des Fotos feststellte: „Die Interpretation dieses Bildes wird nie ganz enden.“

Bibliographische Angaben
Kauppert, Michael / Leser, Irene: Hillarys Hand. Zur politischen Ikonographie der Gegenwart. transcript, Bielefeld 2014, 278 S.

Der Originaltext erschien zuerst in der Zeitschrift Kultursoziologie – Ausgabe 3/2015 „Zeitbrüche im Osten“.

Bildnachweis
Bild 1: Obama and Biden await updates on bin Laden – Public Domain. Auf Wikipedia finden sich auch die Beschreibungen der Personen auf dem Photo.
Bild 2: Situation Room; Autor: Alex Eylar auf Flickr; Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0).
Bild 3: AbuGhraib Abuse- Standing on Box. Public Domain.

Nukleares Wettrüsten reloaded?

von Kai Kleinwächter

Anfang Februar 2015 beriet die Nukleare Planungsgruppe der NATO angesichts der Konfliktlage mit Russland zu Fragen der Kernwaffenrüstung und einer Überarbeitung der Nukleardoktrin. Damit steht eine Umkehrung des bisherigen Rüstungstrends zu befürchten. Standen Mitte der 1980er Jahre noch mehr als 60.000 einsatzbereite Kernsprengköpfe zur nuklearen Kriegsführung bereit, reduzierten die Kernwaffenmächte ihre Arsenale seitdem auf knapp über 10.000.
Einsatzfähige Sprengköpfe weltweit 1945 - 2013
In den Beständen der USA und Russlands befinden sich ca. 90 Prozent der weltweiten Nuklearwaffen. Beide Staaten verfügen darüber hinaus noch über tausende eingelagerte Sprengköpfe – zur Modernisierung bestimmt oder demontiert bzw. zur Vernichtung vorgesehen. Unabhängige Daten über deren Einsatzfähigkeit liegen nicht vor. Friedensforscher schätzen diese „Schattenarsenale“ ähnlich hoch wie die aktiven Bestände. Die Reduzierungen betreffen im Wesen die Großmächte. Die kleinen Nuklearstaaten wie Frankreich halten eine „Minimalabschreckung“ aufrecht.
Kernsprengkoepfe USA - Russland
Die Angst vor einem möglichen Krieg gegen die NATO-Staaten ist mehr als unbegründet. Außer Russland im nuklearen Bereich erreicht kein Staat die militärischen Kapazitäten der NATO. So umfassen die NATO-Rüstungsausgaben 55 bis 65 Prozent des weltweiten Militärbudgets. Unter Einbeziehung von Partnern wie Israel und Japan steigt der Anteil auf über 70 Prozent. Die überhöhten Rüstungsausgaben der NATO-Staaten werden besonders im Vergleich mit den BRIC-Staaten deutlich. Zusammen stellen diese ca. 20 Prozent des weltweiten Militäretats. Den Hauptanteil trägt dabei China – dessen Budget inzwischen ca. 170 Mrd. US-Dollar beträgt. Das entspricht ungefähr der Ausgabensumme von Großbritannien, Frankreich und Deutschland bei einer siebenfach größeren Bevölkerung. Überdimensioniert bleibt der Rüstungsetat der USA mit über 600 Mrd. Dollar.
Ruestungsausgaben NATO - BRICS

Quellen
Bulletin of the Atomic-Scientists (Hrsg.): Global nuclear weapons stockpiles, 1945 – 2013; 2013.
SIPRI (Hrsg.): Military Expenditure Database; Abgerufen 2015.

Kunstwerk des Eintrages

Antoine Coypel (1661 – 1722) – Democritus.

Antoine Cypel - Democritus„Der griechische Philosoph Demokrit (460 – 371 v.Chr.) lehnte die Meinung ab, Materie sei unendlich fein unterteilbar, und postulierte Atome als kleinstmögliche Materieteilchen. Seine Atome sind massive Körper in unendlich vielen unterschiedlichen Formen: eckig, rund, glatt, rau, regelmäßig und unregelmäßig. Alle Objekte – Erde, Luft, Wasser, Feuer, Pflanze, Tier oder Mensch – sind aus unterschiedlichen Atomarten zusammengesetzt. „Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter. In Wirklichkeit gibt es nur Atome und den leeren Raum.“ Auch die Seele besteht aus Seelenatomen, die sich nach dem Tod verstreuen und sich einer neugeborenen Seele anschließen können.“

Quellen
Bild: Wikimedia Commons – gemeinfrei.
Zitat: Johann Christian Lotter: Kosmologie für eilige – Atom; 2006.

John Forbes Kerry, United States Secretary of State

Am 11. Januar 2015 erlebte Paris nicht nur die größte Massendemonstration seiner Geschichte, sondern auch ein Lehrstück über die Tücken symbolischer Politik. Denn neben rund 1,5 Millionen Franzosen hatten sich Spitzenpolitiker aus aller Welt im Pariser Stadtzentrum eingefunden, um an die Opfer der Anschläge auf das Satireblatt Charlie Hebdo und ein jüdisches Lebensmittelgeschäft zu erinnern. Untergehakt und in einer langen Reihe posierten unter anderem François Hollande, Angela Merkel, Benjamin Netanjahu, Mahmud Abbas und Ibrahim Keita für die Fotografen. Einer jedoch glänzte beim Auflauf der internationalen Polit-Prominenz durch Abwesenheit – US-Außenminister John Kerry. Aufgrund wichtiger Handelsgespräche mit Indien, so ließ das State Department mitteilen, sei Kerry leider verhindert – ein diplomatischer Fauxpas, der nicht nur in den Vereinigten Staaten heftig kritisiert wurde. Mit einem eilig arrangierten Solidaritätsbesuch im Élysée versuchte ein sichtlich verlegener John Kerry eine Woche später, diesen Fehler wieder auszubügeln. Auch sonst scheint es nicht ganz rund zu laufen für den hochgewachsenen Demokraten aus Massachusetts. Schon als Kerry Anfang 2013 das State Department von Hillary Clinton übernahm, galt er als „Kandidat zweiter Wahl“. Denn es war in Washington kein Geheimnis, dass Präsident Obama seine Vertraute Susan Rice als Außenministerin bevorzugt hätte. „The consensus in Washington was that Kerry was a boring if not irrelevant man stepping into what was becoming a boring, irrelevant job“, befand das US-Magazin
The Atlantic.

John Kerry - St. Louis Community College 2004

John Kerry – St. Louis Community College 2004

Kurz nach Beginn seiner Amtszeit stürzte sich der 68. Secretary of State mit großem Einsatz in eine neue Verhandlungsrunde zwischen Israel und den Palästinensern. Nach monatelangem Hin und Her galten die Verhandlungen jedoch im Frühjahr 2014 als gescheitert, da die Regierung Netanjahu mitten in den Gesprächen den Neubau von Siedlungen in der Westbank genehmigte. Immerhin tat Kerry an diesem Punkt etwas, was seine Vorgänger sorgfältig vermieden hatten: Er wies Israel die Hauptschuld am Scheitern der Gespräche zu. Letztlich musste der langjährige Senator also wie viele Politiker vor ihm mit leeren Händen die Heimreise antreten – begleitet von verbalen Ausfällen des israelischen Verteidigungsministers Mosche Jaalon, der dem Amerikaner „unverständliche Besessenheit und messianischen Eifer“ unterstellte.

Kerry, dem neben unerschütterlichem Selbstbewusstsein auch große Hartnäckigkeit nachgesagt wird, ließ sich von solchen Rückschlägen indes nicht irritieren. Stattdessen ging er auf Reisen und machte sich daran, seine Vorstellungen von einer activist diplomacy in die Tat umzusetzen. Gestern Jerusalem und Ramallah, heute Genf, morgen Kiew oder Moskau – John Kerry zeigte Präsenz, wann immer über die Krisenherde der Gegenwart verhandelt wurde. Freilich waren seine Vermittlungsbemühungen nur selten von Erfolg gekrönt: die Ostukraine ist von einem Waffenstillstand weit entfernt, in Teilen des Irak und Syriens hat sich der „Islamische Staat“ festgesetzt und die Syrienverhandlungen in Genf sind gescheitert. Allenfalls bei den Gesprächen über das iranische Atomprogramm gibt es zaghafte Fortschritte. Hinzu kommt, dass es Kerry trotz oder gerade wegen seiner unermüdlichen Reisetätigkeit auch im zweiten Jahr seiner Amtszeit nicht gelungen ist, ein klares Profil zu entwickeln. Außerdem haftet dem Vietnamveteranen und ehemaligem Antikriegsaktivisten seit seiner Zustimmung zur Irak-Intervention 2003 hartnäckig der Ruf an, ein außenpolitischer „Flip-Flopper“ zu sein. Gerne kritisiert wird auch sein Hang zu hochtrabenden Reden und ungeschickten Pressestatements, die seine Mitarbeiter hinterher mühsam wieder einfangen müssen. Interessanterweise lässt sich sein bislang größter diplomantischer Erfolg – die Vermittlung des Übereinkommens zur Entsorgung der syrischen Chemiewaffen in Russland – auf eine seiner (vermeintlich) unbedachten Äußerungen zurückführen.

John Kerry - Rede vor dem Fulbright-Ausschuss 1971

John Kerry – Rede vor dem Fulbright-Ausschuss 1971

Zugutehalten muss man Kerry, dass er innen- wie außenpolitisch unter schwierigen Bedingungen operiert. So werden außenpolitische Entscheidungen unter Präsident Obama zunehmend im Weißen Haus getroffen, während das State Department außen vor bleibt. Außerdem hat er sich unpopulären Themen wie dem Nahostkonflikt zugewandt, wo es für einen amerikanischen Außenminister traditionell wenig zu gewinnen gibt und um den seine Vorgängerin Hillary Clinton wohlweislich einen großen Bogen gemacht hatte. Optimistische Beobachter hoffen, dass Kerrys diplomatische Niederlagen eine bescheidenere, maßvolle US-Außenpolitik einleiten werden und sich damit langfristig doch noch als Erfolg erweisen. Im Augenblick bleibt von John Kerry aber eher das Bild eines erfahrenen, loyalen, seltsam getrieben wirkenden Politikers, dem bislang nicht viel gelingen will.

Der Beitrag erschien auch in WeltTrends Nr. 101 „Der Kurdische Knoten“.
Die Autorin Angela Unkrüer ist Redakteurin der Fachzeitschrift WeltTrends.

Bildnachweis
Bild 1: Titel: 2004 Democratic Presidential Candidate Senator John Kerry (D-MA) at a primary rally in St. Louis; Urheber: Thomas True; Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“.
Bild 2: Titel: John Kerry during his speech to the Fulbright Commission 1971; Gemeinfrei nach PD-USGOV.

Bildung – Relativierung der USA

von Kai Kleinwächter

Ziele, Strategien sowie die Wahl der Mittel staatlicher Außenpolitik basieren auf den Werten und Denkmodellen der nationalen Eliten. Wesentlich für deren Herausbildung sind die Prägungen durch das akademische Bildungssystem. Fundamentale Verschiebungen in diesem, zeigen entsprechend langfristige Veränderungen der außenpolitischen Parameter an.

Seit den 1960er Jahren hat sich die Anzahl der deutschen Studierenden mehr als verzehnfacht. Parallel dazu stieg auch der Anzahl Studierenden anderer Nationalitäten auf inzwischen über 280.000. Damit erhöhte sich ihr Anteil von sechs Prozent in den 1980er Jahren auf gegenwärtig 10-12 Prozent.

Mit dieser enormen Expansion und Internationalisierung des Bildungssystem geht eine zunehmende Relativierung der Bedeutung der USA einher. Inzwischen kommen 82 Prozent der ausländischen Studierenden aus Europa und Asien. Aus den USA und Kanada stammt inzwischen nur noch ein marginaler Anteil von ca. zwei Prozent.

Auslaendische Studierende in Deutschland Wintersemester 2012-2013Dieses Verhältnis setzt sich bei den gegenwärtig 200.000 Promovenden in Deutschland fort. Nur noch ein Prozent ist aus Nord- und Südamerika – etwas mehr als aus Afrika. Es dominieren europäische und asiatische Länder.

Bildungsausländer an deutschen Hochschulen

Die USA profitierten auch nicht von der deutlich wachsenden deutschen Studentenschaft im Ausland. 1994 wählten 22 Prozent diese als Zielort, gegenwärtig nur noch 7 Prozent. Ähnlich verlief die Entwicklung bei den Auslandspraktika. Zwar absolvierten 2012 zehn Prozent der Studenten ein Praktikum in den USA, aber die absoluten Zahlen stagnieren seit Ende der 1990er Jahre.

Deutsche Studierende im AuslandDie umfassende us-amerikanische Prägung deutscher Eliten über das Bildungssystem der Nachkriegsjahrzehnte geht seit Ende der 1980er Jahre kontinuierlich zurück. Inzwischen dominieren anteilig die Mitgliedsstaaten der EU. Gleichzeitig gewinnen Länder wie die Türkei, China, Indien und Russland an Bedeutung. Die Netzwerke der Eliten-Bildung in Deutschland folgen damit der ökonomisch-politischen Relativierung der USA bei Aufstieg Eurasiens.

Quellen zum deutschen Bildungssystem

HIS, DAAD (Hrsg.): Entwicklung der Auslandsmobilität deutscher Studierender 1963 – 2011; Hannover 2011.
Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bildung und Kultur – Studierende an Hochschulen Wintersemester 2012/2013; Wiesbaden: Fachserie 11 Reihe 4.1.
Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Deutsche Studierende im Ausland ab 1994; Wiesbaden.
Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Promovierende in Deutschland 2010; Wiesbaden 2012.

Die Metaanalyse erschien bei WeltTrends – Zeitschrift für internationale Politik,
Ausgabe 95: Thema USA und Wir.
Eine umfassende Analyse erschien in Telepolis – e-zine des Heise Verlages.

Kunstwerk des Eintrages

William Hogarth (1697 – 1764)Amoretten beim Studium der Natur.
von http://www.zeno.org – Contumax GmbH & Co.KG

Bild William Hogarth Amoretten beim Studium der Natur

World Drug Report – Entwicklung Drogenmarkt

von Kai Kleinwächter

Pünktlich zum „Weltdrogentag“ (offiziell: International Day Against Drug Abuse and Illicit Trafficking) dem 26. Juni erschien der diesjährige World Drug Report. Diesen Gedenktag führte die Generalversammlung der UN am 26.Dezember 1987 im Rahmen der Resolution 42/112 ein. Die Verknüpfung von Erinnerungstag inkl. eigener Homepage sowie jährlichem Motto – „Make health your ’new high‘ in life, not drugs“ – und der Herausgabe des Themenberichts besteht seit dem ersten Report von 1997. Herausgeber ist das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC).

Das UNODC ging 1997 aus zwei anderen Organisationen hervor und beschäftigt sich mit allen Formen der internationalen Kriminalität. Schwerpunkte sind illegale Drogen, Geldwäsche und Terrorismus. Zentrale Aufgabe ist laut Selbstdarstellung die Unterstützung nationaler und internationale Rechtssysteme sowie die Stärkung von Sicherheitsorganen. Dafür führt die Organisation auf internationaler Ebene die Daten zur Entwicklung der Kriminalität zusammen und wertet sie aus.

Gliederung Bericht

Eingangs erfolgt eine Analyse der Marktentwicklung bei den klassischen illegalen Drogen – Cannabis, Opiate, Kokain und Amphetamine. In der abschließenden verkürzten Statistik (ausführlich im Internet) erfolgt eine detaillierte Auflistung, insbesondere über die Entwicklung des Konsums und die Menge beschlagnahmter Drogen. Dabei fällt auf, dass die Daten nur einer begrenzten Harmonisierung unterliegen und die Datenqualität außerhalb der westlichen OECD-Staaten deutlich abfällt.

Im zweiten Teil behandeln die Berichte ein Schwerpunktthema – dieses Jahr „neue psycho-aktive Substanzen“. Die UNODC versteht darunter bewusstseinsverändernde Stoffe die nicht vom Abkommen über Betäubungsmittel (1961) bzw. der Konvention über psychotrope Substanzen (1972) erfasst sind. Entsprechend entsteht eine große Gruppe sehr unterschiedlicher Substanzen über künstlich hergestellte „klassische“ Wirkstoffe (z.B. synthetisiertes Cannabis), legale Medikamente (z.B. Ketamin) bis hin zu Jahrhunderte-alter Drogen außerhalb der westlichen Welt (z.B. Khat).

Grenzen des Denkens

Die unkonkrete Definition führt mehr in die Irre als eine Handlungs- und Analyse-Grundlage zu liefern. Dahinter steht aber das Phänomen, dass neue“ Drogen insbesondere chemisch erzeugte die klassischen verdrängen. Die jetzigen Verfolgungsstrategien, ausgerichtet auf Bekämpfung des Drogenanbaus in Entwicklungsländern sowie die Kontrolle von Handelswegen und Grenzen, laufen zunehmend ins Leere. Große Teile des Berichts offenbaren eine strukturelle Hilflosigkeit – Art und Umfang des Konsums weitgehend unbekannt, Wirkmechanismen und Gesundheitsfolgen teilweise bis nicht bekannt, chemische Zusammensetzung auf Grund sehr schneller Veränderung kaum erfassbar … . Die Herausbildung eines Drogenmarktes des 21. Jahrhunderts entzieht sich den Denk- und Rezeptionsmustern einer Behörde die ihren geistigen Ursprung in der Shanghaier Opiumkonferenz von 1909 sieht. Wobei dies nicht nur ein Problem auf internationaler Ebene ist.

Problematische Geldgeber

Ein nicht unerheblicher Teil der Probleme resultiert aus der Struktur der UNODC. Obwohl das Büro ein offizieller Teil der UN ist, erfolgt die Finanzierung zu über 90 Prozent auf Grund von freiwilligen Spenden der Mitglieder. Von diesen Spenden fließen nur 3 Prozent in das allgemeine Budget. 97 Prozent werden gezielt für einzelne Programme bzw. Aktivitäten vergeben und können nur dafür verwendet werden. Entsprechend groß ist der nationale Einfluss auf die Organisation. Dies zeigt sich besonders ihrer programmatischen Ausrichtung.

0-Toleranz-Politik

Ganz im Gegensatz zu den Programmen anderer UN-Organisationen bsp. der WHO spielen in den Programmen der UNODC legale Drogen (Tabak, Alkohol, Medikamente …) keine Rolle. Die UN-Behörde fokussiert sich auf Kriminalität und damit auf die Instrumente der Sicherheitsapparate. Entsprechend vertritt sie im Kern eine 0-Toleranz-Politik. Ein Recht auf Rausch wird nicht mal thematisiert. Diese Haltung änderte sich auch durch die selbst verordnete Denkpause (2008-2010) nicht wirklich. Es gibt nun Studien mit der WHO, die eine Stärkung sozialer und gesundheitspolitischer Maßnahmen bei partieller Abschwächung der Kriminalisierung erwägen. Allerdings sind diese nicht über den Status von Diskussionspapieren hinausgekommen und finden keine Erwähnung in den offiziellen Leitberichten wie dem „World Drug Report“.

Teil der einseitig repressiven Haltung ist die weitgehende Ignorierung aller Programme zur Eindämmung der negative Folgen von Drogenmissbrauch jenseits von Kriminalisierung, Werbekampagnen oder Entzug. Ob geschützte Drogenräume, Verteilung kostenloses Spitzbesteck, die Abgabe reines Heroin/Kokain … alles indiskutabel. Gleichzeitig werden die sozialen-politische Ursachen der Drogennutzung als auch von Produktion und Vertrieb nur am Rande behandelt.

Legalisierung Cannabis USA

Ein interessantes Beispiel ist die seit einigen Jahren fortschreitende Legalisierung von Cannabis in einigen Bundesstaaten der USA. Diese Entwicklung findet zwar Erwähnung, aber es erfolgt keine Einordnung in einen größeren Kontext. Die Beschreibung endet mit einem Hinweis, dass Besitz, Anbau sowie Vertrieb nach US-Bundesgesetzen immer noch strafbar ist. In weiteren Text wird dann dezidiert auf eine mögliche Ausweitung des Drogenkonsums durch fallende Preise hingewiesen.

Bei aller Kritik verschafft diese jährlich aktualisierte und inzwischen Jahrzehnte zurückreichende Informationsquelle einen einmaligen Überblick über die internationale Entwicklung des Drogenmarktes. Zumal die Entwicklung zumindest bei den klassischen Drogen über den Zeitraum der letzten 100 Jahre aufbereitet wird. Gleichzeitig basieren die Berichte auf einer Vielzahl aktueller, primär internetbasierter Quellen der relevanten staatlichen Institutionen, Programme und Wissenschaftler. Der Drogen-Report ist ein erstklassiger Fundus für weitere wissenschaftliche Arbeiten.

Die gekürzte Besprechung erschien bei WeltTrends – Zeitschrift für internationale Politik,
Ausgabe 91: Thema Kriminelle Welt: Annotation World Drug Report

Kunstwerk des Eintrages

Daumier, HonoréReise durch China: Raucher und Schnupfer
von http://www.zeno.org – Contumax GmbH & Co.KG

Doumier - Gemälde - Reise durch China: Raucher und Schnupfer

Geheimdienste – Überwachung – Gesellschaft

von Kai Kleinwächter

1. „Prism“ ist kein neues Phänomen, sondern der Höhepunkt einer Entwicklung, deren Ursprünge mitten im „Kalten Krieg“ des 20. Jahrhunderts liegen. Im Zuge der damaligen inneren und äußeren Unruhen banden die militärisch-industriellen Komplexe der Staaten die nationalen Kommunikationsindustrien ein. Beispielhaft für diese Verflechtung ist die Entstehung des heutigen Internet. Forschungsprogramme des US-Militärs und der Geheimdienste finanzierten den Vorgänger – das ARPANET. Die neuen Informationsmittel sollten nicht nur geheime Kommunikation ermöglichen, sondern es auch erlauben diese abzufangen und auszuwerten.

2. Durch die strukturellen Verflechtungen konnten Spionageorgane die moderne Kommunikationsinfrastruktur wesentlich prägen – inklusive der gezielten Schaffung von „Sicherheitslücken“ um eine flächendeckende Überwachung zu ermöglichen. Der Zugriff auf Technologien, Infrastruktur und Daten der großen Telekommunikationskonzerne ist schon seit einem Jahrhundert wesentlicher Pfeiler der staatlichen Sicherheitspolitik. Es begann mit der Kontrolle der Zeitungen sowie der Post- und Telegrafensysteme, entwickelte sich weiter zu einem Zugriff auf die Funk- und Telefoninfrastruktur und ab Ende der 1970er Jahren erfolgte der Zugriff auf Datennetze bzw. die Einbindung der entstehenden Soft- und Hardwareproduzenten. Systeme zur internationalen Überwachung der Kommunikation werden ab den 1980er Jahren von und gegen Deutschland eingesetzt. Die USA und ihre engeren „Verbündeten“ entwickelten daraus das Echelon-System. Dieses Überwachungssystem mit dem Schwerpunkt Internet- und Handykommunikation spioniert bereits Ende der 1990er Jahre die EU und auch Deutschland aus.

3. Die Steuerung von modernen Kommunikationsmitteln ist vor allem auf zwei widersprüchliche Ziele ausgerichtet. Einerseits sollen diese die Gesellschaft möglichst umfassend durchdringen. Hintergrund ist neben der Steigerung der staatlichen Steuerungsfähigkeit die Beschleunigung der gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Entwicklung. Kommunikationsmittel sind Hochtechnologien, ihre Herstellung schafft Großindustrien, ihre Nutzung führt zur Steigerung der inneren Produktivität und beschleunigt den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Gesellschaften in denen zeitgemäße Kommunikationsmittel nicht im ausreichenden Maße genutzt werden bleiben in der Entwicklung zurück.

Andererseits stehen gesellschaftliche Interessen einer zu umfassenden bzw. zu schnellen Verbreitung entgegen. Neben dem Kostenaspekt und Fragen der wirtschaftlich-technologischen Abhängigkeit, bedeutet eine Ausweitung der Kommunikation auch immer eine Einschränkung staatlicher Steuerung. Dies beinhaltet sowohl die Fähigkeit Gefahren von außen abzuwehren, als auch das Gewaltmonopols nach innen zu sichern.

Eine Auflösung dieses Paradoxons gibt es nicht. Nur einen zeitweiligen Kompromiss, der immer wieder neu verhandelt und gestaltet werden muss.

4. Mit der beschleunigten Internationalisierung der Kommunikations-, Handels-, und Menschenströme im 20. Jahrhundert beginnt auch eine neue Ära staatlicher Sicherheitspolitik. Die Spionageorgane kooperieren zunehmend miteinander, bei Aufrechterhaltung der Konkurrenz. Informationsbeschaffung und Desinformation, Kooperation bei ähnlichen Zielen und Bekämpfung der „Verbündeten“ vollziehen sich parallel. Allerdings werden, je mehr sich diese Einrichtungen auf solche Verstrickungen einlassen, der Auftrag, das Ziel und die Wahl der Mittel unklarer. Die Spionage- und Überwachungsorgane verselbstständigen sich. Es erfolgt eine totale Durchdringung der Gesellschaft, bei gleichzeitig antidemokratischer Abschottung von der Gesellschaft. Die Spionage mutiert zum Selbstzweck. Die Forderung nach ihrer politischen Kontrolle sowie der Balance von ökonomischen Mitteln und praktischen Ergebnissen wird als „Sicherheitsrisiko“ diffamiert.

Weiterführende Quellen zum militärisch-industriellen Komplex:
1. Manuskript Eisenhower-Rede
2. Definition aus dem Buch „Soziologie und Frieden“ von Prof. em. Krysmanski